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29.09.2007
TURBULENZEN IN PAKISTAN IM VORFELD DER WAHLEN
Präsident Pervez Musharraf gerät immer mehr in Bedrängnis. Nicht nur die frühere Premierministerin Benazir Bhutto mit ihrer starken Volkspartei ist ihm auf den Fersen, denn sie plant, noch im September aus ihrem Exil in Dubai in die Heimat zurück zu kehren. Auch Nawaz Sharif, Ministerpräsident von 1990 bis 1993 und 1997 bis 1999 und Chef der Pakistanischen Muslim – Liga, will in den Kampf um die Macht eingreifen. In der ersten Periode seiner Amtszeit wurde er von Gulam Ishaq Khan entmachtet, 1999 obsiegte General Musharraf durch einen Militärputsch. Sharif wurde wegen schwerer Korruption, Flugzeugentführung und Mordversuch – er verhinderte die Landung von Musharrafs Maschine, die wegen Kerosinmangels beinahe abgestürzt wäre – verhaftet, doch später samt seiner Familie ins Exil entlassen. Nach einem Richterspruch hat er ein zehnjähriges Einreiseverbot in Pakistan, eine Frist, die erst 2010 ablaufen würde. Doch auch Nawaz Sharif drängt auf einen Machtwechsel und baut auf seine frühere Popularität. Er galt als moderner Staatsmann, der die erste pakistanische Autobahn von Lahore nach Islamabad – 367 km! – errichten ließ und 1998 – als Antwort auf die indischen Atomversuche nur zwei Wochen später die pakistanischen anordnete. Dieser damalige Prestigegewinn ist nicht in Vergessenheit geraten und könnte ihm bei der Entthronisierung Musharrafs behilflich sein. Nawaz Sharif fordert den kompromisslosen Rücktritt des Generals und kritisiert auch die Haltung Benazir Bhuttos, die sich eine Kooperation als Premierministerin vorstellen könnte. Trotz drohender Verhaftung reiste er in die Heimat und wurde nach der Landung am Flughafen von Islamabad verhaftet, doch kurz darauf nach Saudi Arabien abgeschoben. Sharifs Partei protestierte heftig und auch seitens der EU wurde Kritik laut, während die USA einen Kommentar ablehnten. Benazir Bhutto erfreut sich seit neuestem der Gunst der USA, sie gilt als bevorzugte Kandidatin, seitdem Musharraf als Partner „im Kampf gegen den Terror“ zu unsicher geworden ist. Sie leugnet nicht, die Anerkennung der Taliban während ihrer Regierungszeit gefördert zu haben – eine Fehlentscheidung aus heutiger Sicht – ist aber entschlossen, Terrorverbänden aller Art bei einer Neuwahl den Kampf anzusagen. Denn nur in der Befreiung Pakistans von paramilitärischen Gruppen sieht Bhutto den Weg frei für die Demokratie. Die Absolventin von Havard und Oxford fürchtet keine Verhaftung bei ihrer Rückkehr – vorbereitende Gespräche mit Musharraf sind ein offenes Geheimnis. Dieser braucht Verbündete, will er wenigstens einen Teil seiner Macht retten. Denn auch die Repressalien der Separatisten in Belutschistan gegen die Regierung werden heftiger.
Beatrix Schönfeld – Pfennigbauer
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