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29.09.2007

BIN LADENS FAMILIE UND DER BAUBOOM IN ARABIEN

Dass Osama bin Ladens Familie im Rahmen der „Bin Laden Group“ im Baugeschäft seit Jahrzehnten kräftig mitmischt, ist bekannt. Es war Osamas Vater Mohammed, der das gigantische Höhlensystem von Tora Bora an der pakistanisch – afghanischen Grenze modernst ausbaute, doch auch im Hochbau sind viele Gebäude im Nahen und Mittleren Osten mit der Hinweistafel gekennzeichnet: „Constructed by Bin Laden Group“ – errichtet von der Bin Laden Gruppe. Jetzt wagt sich Osamas Halbbruder Tarek Bin Laden über ein Riesenprojekt im Jemen.
Am Eingang des Roten Meeres, gegenüber dem Horn von Afrika, hat er 1.500 Quadratkilometer Land erworben, um dort eine Stadt für die rasant wachsende Bevölkerung zu errichten. Dem nicht genug, ist geplant, eine Brücke über die Meerenge nach Afrika zu bauen und dort ebenfalls eine Stadt zu gründen. Mit dem Projekt im Jemen sind auch persönliche Interessen der Familie verbunden, denn Vater Mohammed wanderte in den zwanziger Jahren von dort in das benachbarte Saudi Arabien aus. Der Jemen ist kein reiches Land, die Landwirtschaft und hier vor allem der Kaffeeanbau dominiert, während die spärlichen Ölvorkommen bis 2016 endgültig versiegt sein sollen; doch das Gebiet am Roten Meer und am Beginn der fruchtbaren Tiefebene Tihama gilt als Hoffnungsgebiet. Obendrein ist von der als äußerst umsichtig bekannten Firma
„Middle East Development“ – MED der Bin Laden Group anzunehmen, dass sie mit „ihren Pfunden zu wuchern“ verstehen. „In Zukunft werden Städte nicht mehr von Regierungen, sondern von privaten Unternehmen gebaut“, sagt Ussama al – Dimaschki, Geschäftsführer der MED. Die Bin Ladens liegen damit voll im Trend. Im Zuge der zu erwartenden Bevölkerungs-
Explosion wird auf der ganzen Arabischen Halbinsel gebaut. Im benachbarten Saudi Arabien sind sechs neue Städte geplant, wovon die Bauarbeiten für King Abdullah Economic City bereits begonnen haben. Die Stadt liegt ebenfalls am Roten Meer und ist für zwei Millionen Einwohner vorgesehen, die in der petrochemischen und energieintensiven Industrie arbeiten sollen. Der projektierte Hafen soll der zehntgrößte der Welt werden. Hier und in der noch namenlosen, jemenitischen Stadt, soll ein Rechtssystem zwischen Ultrakapitalismus und beschränkten Bürgerrechten einen wirtschaftlichen Erfolg garantieren. Wie das funktioniert, hat bereits Dubai vorexerziert. Das Emirat besteht aus „Freezones“, in denen besondere Gesetze den jeweiligen Branchen und den Investitoren angepasst sind. In Dubai sind Bankgeschäfte für Ausländer verboten – nicht aber in der „Financial City“, wo englisches Wirtschaftsrecht vorherrscht. Das Internet wird in den Emiraten zensuriert, nicht aber in der „Internet City“. So gibt es Krankenhaus -, Universitäts -, Medien – und Handelszonen, in denen keine Steuern bezahlt werden, Streiks aber verboten sind. Arbeitslose Ausländer werden ausgewiesen! Dubai gilt als ökonomischer Vorreiter in Arabien, und Fakten wie das um 23% gesteigerte Bruttoinlands-produkt von 2006, das vom Vorjahr um sogar 26,5%, bestätigen die Erfolgsaspekte. Gleichzeitig wuchs die Bevölkerung vor allem durch Zuwanderung und nur noch jeder zehnte Einwohner ist ein Einheimischer, sodass die Stadt um ein vielfaches erweitert werden musste. Im Zuge des Baubooms entsteht hier auch das höchste Gebäude der Welt, der Burj Dubai – der Turm von Dubai. Er soll um die 800 Meter hoch werden und 175 Stockwerke haben. Es ist ein typisches Prestige – Projekt, denn über die Sensibilität eines solchen Bauwerks in Notfällen darf man nicht nachdenken. Da ist das Projekt der Landgewinnung durch Aufschüttungen für drei Inseln in Palmenform schon viel sympathischer, die eine Fläche von 50 Quadratkilometer haben werden. Hier sollen luxuriöse Hotels und Appartement – Häuser entstehen, in denen Erholung suchende Multimillionäre verwöhnt werden.Utopisch wie so vieles aus der modernen arabischen Welt klingen auch die Pläne für Abu Dhabi, ein von Dubai etwa 120 km entferntes Emirat. Vor fünfzig Jahren war es noch ein dünn besiedeltes Fischerdorf, das heute 1,5 Millionen Einwohner zählt. Bis zum Jahr 2030 sollen es 5 Millionen sein, die zum Teil in der Stadt Masdar leben werden. Masdar soll die erste Stadt der Welt ohne CO2 sein und zum Zentrum der Entwicklung alternativer Energien werden – ein Projekt, an dem unter anderen die Technische Hochschule Aachen beteiligt ist. Trotz dem im Islam verankerten Traditionalismus ist die fortschrittliche Planung bemerkenswert. Was allerdings zu denken geben sollte, ist die enorme Bevölkerungs-explosion, mit der offenbar konkret gerechnet wird. Good old Europe wird sich anstrengen müssen, um nicht auf der Strecke zu bleiben.

Beatrix Schönfeld – Pfennigbauer

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